Wie viel Körperfett kann man an einem einzigen Tag zunehmen? - Gannikus.de

Wissenschaftlich betrachtet: Wie viel Körperfett kann man an einem einzigen Tag zunehmen?

Durch einen Überschuss an Kalorien nehmen wir Gewicht und gegebenenfalls auch Körperfett zu, das ist Fakt. Viele von uns werden aus diesem Grund stets ein großes Augenmerk auf ihre Nahrungszufuhr legen und ihre Ernährung so steuern, dass sie möglichst an Fett abnehmen oder die Fettzunahme in Phasen des Muskelaufbaus minimieren. Diese, abhängig von der Vorgehensweise und verfügbarer Kalorienmenge, oftmals sehr strikte und teilweise restriktive Maßnahme kann jedoch hin und wieder dazu führen, dass schwache Momente auftreten und wir in kurzer Zeit plötzlich scheinbar unkontrolliert Nahrung zu uns nehmen. Die Frage ist aber, wie viele Kalorien der Körper dabei tatsächlich verwerten und wie viel Körperfett aus einem solchen Essanfall wirklich aufgebaut werden kann?

Viele von uns kennen das sicherlich: Ausgelöst durch einen sozialen Anlass oder eine Heißhungerattacke nehmen wir Nahrungsmittel auf, die ansonsten nicht regelmäßig auf unserem Speiseplan stehen. Das ist in der Regel noch überhaupt kein Problem, denn wenn die Menge dabei im Rahmen bleibt, hat dies noch lange keine negativen Auswirkungen auf unsere Körperkomposition. Nicht wenigen geht es anschließend dabei jedoch so, dass sie nicht aufhören können, Dinge zu konsumieren, die sie sich normalerweise selbst verbieten. Die "Büchse der Pandora" ist geöffnet und was folgt, ist die Aufnahme massiver Kalorienmengen in relativ kurzer Zeit. Was wir umgangssprachlich im Deutschen als "Essanfall" oder "Fressflash" bezeichnen würden, wird im Englischen sowie der Wissenschaft als "Binge" bezeichnet.

Wie viel Körperfett können wir an einem Tag aufbauen?

Um diese Frage zu klären, schauen wir uns zunächst die Daten einer Studie aus dem Jahre 1995 an. Die Forscher verabreichten ihren 16 Probanden über zwei Wochen 50 Prozent mehr Kalorien, als diese zum Erhalt ihrer Körpermasse benötigen würden [1]. Im Schnitt betrug der Überschuss damit etwa 1400 Kilokalorien. Am Ende des Interventionszeitraumes hatten die neun schlanken und sieben übergewichtigen Männer durchschnittlich etwa 1,5 Kilogramm Körperfett zugenommen, was in etwa einer Menge von 100 Gramm am Tag entspricht. Diese Ergebnisse sind ähnlich der Beobachtungen, die ein anderes Team 2014 in einem vergleichbaren Setup gemacht hat [2]. Sie ließen ihre Teilnehmer acht Wochen lang etwa 40 Prozent über ihrer Erhaltungskalorienmenge essen, wobei die 29 Probanden im Laufe der Untersuchung durchschnittlich 4,2 Kilogramm Körperfett aufbauten, umgerechnet etwa 75 Gramm pro Tag.

Die Frage, die sich viele an dieser Stelle stellen werden ist, weshalb die Zahl auf der Waage nach einem ausgearteten Cheatmeal deutlich stärker ansteigt als um lediglich 100 Gramm. Sprünge von bis fünf Kilo oder mehr sind abhängig von der körperlichen Ausgangslage nicht ungewöhnlich. Die Antwort darauf lässt sich im Grunde durch drei Faktoren erklären.

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Salz beziehungsweise das darin befindliche Natrium führt zu einer Zunahme des Wassergehaltes in den Zellen, was auch der Grund dafür ist, dass größere Mengen davon den Flüssigkeitsgehalt des Körpers beeinflussen können [3, 4]. Die meisten von uns würden sagen, sie hätten "Wasser gezogen". Am häufigsten beobachtet man dies, nachdem man ein großes Cheameal bestehend aus salzigen Nahrungsmitteln wie Pizza, Chips, Pommes, etc. hatte. Eine einzige Mahlzeit mit deutlich mehr Natrium als deine herkömmliche Ernährung kann einige Liter Wasser im Körper binden, welches erst in den folgenden Tagen wieder ausgeschieden wird.

Einen ähnlichen Effekt besitzen große Mengen an Kohlenhydraten, weshalb die genannten Lebensmittel besonders prädestiniert für dieses Phänomen sind. Kohlenhydrate werden im Körper in Form von Glykogen in den Muskeln und der Leber gespeichert, wobei jedes Gramm etwa drei bis vier Gramm Wasser bindet [7]. Abhängig vom vorherigen Füllstand und der Kapazität der Glykogenspeicher, kann dieser Umstand weitere ein bis drei Kilogramm auf der Waage ausmachen.

Die Gewichtszunahme bedingt durch Wasser und Glykogen lässt uns also denken, wir hätten über Nacht womöglich mehr Körperfett zugenommen, als wir an Masse gegessen haben. Etwas Ähnliches passierte in den genannten Studien, denn in beiden Fällen war die gesamte Gewichtszunahme etwa doppelt so hoch wie die eigentliche Fettzunahme. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Wasserhaushalt nach den ersten ein bis drei Tagen im Gegensatz zum Körperfett nicht weiter steigt, bedeutet es demnach, dass die Waage nach einem Cheatmeal oder gar Cheatday kein guter Indikator dafür ist, wie viel Körperfett am Ende hängen geblieben ist.

Grundlegende Physiologie: Was sind Kalorien, wie entstehen sie und was machen sie in unserem Körper?

Wie die meisten von uns sicherlich wissen, stellen Kalorien eine Einheit dar, in der Wärmeenergie gemessen wird. Laut Definition ist eine Kilokalorie die Energiemenge, die nötig ist, um einen Liter Wasser um ein Grad Celsius zu erwärmen. Wir verwenden den Terminus umgangssprachlich jedoch eher zur Bemessung, wie viel Energie wir unserem Körper über die Nahrung […]

Was passiert, wenn du sehr viel mehr isst als normal?

Bisher haben wir uns damit beschäftigt, was passiert, wenn wir über einen längeren Zeitraum das etwa Eineinhalbfache unserer normalen Energiezufuhr aufnehmen. Ein echter Cheatday, wie ihn manche Menschen sogar absichtlich einlegen, kann jedoch auch ganz andere Ausmaße annehmen. So mancher YouTuber hat sich bereits an Challenges mit bis zu 20.000 Kilokalorien an einem einzigen Tag versucht und vielleicht hat es der eine oder andere Follower daraufhin nachgemacht.

Bisher gibt es keine Studien, die derartige Essanfälle untersucht haben. Ein solches Design würde wohl auch kaum eine Ethikkommission zulassen, da ein Vorgehen dieser Art für die potenziellen Teilnehmer eher eine Qual als einen Genuss darstellen würde. Aber schauen wir uns die Daten an, die uns zur Verfügung stehen. Sagen wir, du benötigst als Kraftsportler etwa 3000 Kilokalorien am Tag, um dein Gewicht zu halten. Wenn du einen Essanfall erleidest oder einen geplanten Extrem-Cheatday einlegst, weil du deine Grenzen ausloten möchtest, und dabei 10.000 Kilokalorien zu dir nimmst, hast du einen Überschuss von 7000 Kilokalorien an diesem einen Tag.

7000 Kilokalorien entspricht in etwa auch der Energiemenge, die ein Kilogramm Körperfett besitzt. Unter der Voraussetzung, dass dein Körper die gesamte Nahrung verdauen und absorbieren kann und sich an deinem Verbrauch nichts verändert, solltest du nach Adam Riese ein Kilogramm Körperfett zunehmen. In den beiden genannten Studien nahmen die Teilnehmer im Zeitraum von zwei oder acht Wochen jedoch nur etwa 75 Gramm Körperfett pro 1000 Kilokalorien Überschuss zu. Rechnen wir dies auf unser Beispiel um, würde dies einem Fettaufbau von 525 Gramm entsprechen. In einer einzigen Woche Diät könnte man diese Menge schnell wieder loswerden.

Besonders in akuten Binges, wenn in den Tagen und Wochen davor sowie danach eine "normale" Kalorienaufnahme erfolgte, verhalten sich Fettzunahme und ein akuter Überschuss nicht zwangsweise linear zueinander, wie auch Untersuchungen anhand von Anlässen wie Weihnachten oder Thanksgiving in den USA zeigen [5, 6]. Wenn du selbst schon einmal sehr ausgeartet bist und es sich auf einen Abend oder Tag beschränkt hat, dann wirst du bemerkt haben, dass sich der Großteil des zusätzlichen Gewichtes spätestens nach einer Woche wieder verflüchtigt hat, nachdem sich der Wasserhaushalt normalisieren konnte.

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Was passiert auf physiologischer Ebene bei einem Essanfall?

Lassen wir einmal die psychologischen Auswirkungen außen vor, können wir relativ klar sagen, was in unserem Körper bei einer akuten Erhöhung der Kalorienaufnahme passiert. In beiden Studien, die wir weiter oben betrachtet haben, hätten die Teilnehmer etwa doppelt so viel Fett aufbauen müssen, wenn wir dabei lediglich die Seite der Kalorienaufnahme betrachten. Wurden die Gesetze der Thermodynamik also aus den Ankern gehoben? Handelte es sich bei den Teilnehmern um Personen mit extrem guten Genen? Nein, nicht wirklich.

Den Aufbau von Muskelmasse im Rahmen des Krafttrainings sowie die reine Wiederauffüllung der Glykogenspeicher nicht berücksichtigt, führt ein signifikanter Überschuss an Kalorien unter den meisten Umständen zum Aufbau von Körperfett. In unserem Körper finden jedoch zahlreiche Anpassungen statt, die die Menge an Körperfett reduzieren, die unser Körper aus den verfügbaren Kalorien aufbauen kann.

Beispiele dafür sind:

  • Es wird mehr Energie benötigt, um die Nahrung zu verdauen.
  • Die Thermogenese steigt, wodurch mehr Kalorien in Körperwärme umgewandelt werden.
  • Die Umwandlung von Proteinen und Kohlenhydraten zu Fettsäuren verbraucht Energie.
  • Die meisten Menschen bewegen sich mehr, wenn die Kalorienaufnahme steigt.
  • Bei einem hohen Nahrungsaufkommen wird nicht jede Kalorie verdaut und aufgenommen.

Dein Körper verbraucht mehr Energie zum Verdauen der Nahrung

Wenn wir eine Mahlzeit zu uns nehmen, muss sie unser Körper zunächst verdauen und verarbeiten. Zu diesem Prozess benötigt er Energie, die wir als thermischen Effekt der Nahrung bezeichnen. Sein Anteil an unserem Gesamtumsatz beträgt unter normalen Umständen in etwa fünf bis 15 Prozent, was bedeutet, dass im Schnitt jede zehnte Kalorie, die du aufnimmst, dazu verwendet wird, die Nahrung zu verarbeiten [8]. Wie hoch der Beitrag dieses Effektes ist, hängt von der Größe und der Zusammensetzung deiner Mahlzeiten ab. Während kleinere Mahlzeiten weniger Verdauungsenergie benötigen, ist der Anteil bei größeren Mengen etwas höher [9].

Bezüglich der Makronährstoffe ergeben sich folgende Werte:

  • Protein: 20 bis 35 Prozent
  • Kohlenhydrate: 5 bis 15 Prozent
  • Fette: 0 bis 10 Prozent

Eine protein- und kohlenhydratreiche Mahlzeit bewegt sich dementsprechend am oberen Ende des angegebenen Spektrums, wohingegen eine fettreiche Mahlzeit prozentual weniger Verdauungs- und Verarbeitungsenergie benötigt. Auch das Alter sowie körperliche Aktivität und der Verarbeitungsgrad der Nahrungsmittel spielen eine nicht unwesentliche Rolle [9]. Wenn du deine 10.000 Kilokalorien in Form von Reis, Hähnchen und Gemüse zu dir nimmst, wird davon weniger Körperfett hängen bleiben als bei 10.000 Kilokalorien in Form von Schokolade. Das bedeutet aber nicht, dass eine Kalorie nicht eine Kalorie ist, es "dickmachende" oder "schlankmachende" Lebensmittel gibt und das Verhältnis zwischen Aufnahme und Verbrauch außer Kraft gesetzt wird. Es bedeutet lediglich, dass wir für die Verarbeitung mancher Lebensmittel mehr Kalorien verbrauchen als für andere.

Der Begriff "thermischer Effekt" rührt daher, dass der Körper, genau wie bei aktiver Bewegung, im Zuge der Kalorienverbrennung einen großen Teil der Energie im Form von Körperwärme an die Umwelt abgibt. Wenn wir uns körperlich betätigen, wird uns warm und das Gleiche passiert, wenn wir eine große Menge Nahrung aufnehmen.

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Die Umwandlung von Nahrung in Körperfett verbraucht Energie

Nicht alle Makronährstoffe werden im Körper gleich verstoffwechselt. Während Proteine hauptsächlich zur Reparatur, dem Aufbau und der Regeneration von Zellen, Hormonen und anderen Molekülen verwendet werden, wird ein Überschuss in der Leber zu Energie verbrannt, jedoch fast nie direkt in Fettsäuren umgewandelt [10]. Auch die Kalorien aus Kohlenhydraten können nicht ohne Umwandlungsverluste in Körperfett konvertiert werden [11]. Das Fett aus unserer Nahrung ist aber dem Fett, welches wir in und an unserem Körper speichern, sehr ähnlich, weshalb es bevorzugt dafür verwendet wird, im Falle eines Kalorienüberschusses in die Zellen eingelagert zu werden und die Kohlenhydrate stattdessen zu verbrennen [11]. Ein Überschuss an Kohlenhydraten wird natürlich ebenfalls in Körperfett umgewandelt, wenn allerdings beides im Übermaß zur Verfügung steht, werden die Fettsäuren bevorzugt.

Wenn unsere Leber Fette aus Kohlenhydraten herstellen will, muss er einen Prozess namens Denovo-Lipogenese  durchlaufen. Etwa 15 bis 25 Prozent der Energie aus den Kohlenhydraten wird im Rahmen der Denovo-Lipogenese für die Umwandlung verbraucht [1]. Erst nach mehreren Tagen eines deutlichen Überschusses reicht die Menge aus, um einem signifikanten Unterschied in deinem Körperfettanteil zu machen. Wir reden hier von Mengen ab 700 Gramm aufwärts und hier ist nicht berücksichtigt, dass bei einem Energieüberschuss die aufgenommenen Fettsäuren so gut wie direkt eingelagert werden können. Die wenigsten von uns werden schließlich einen fettfreien Cheatday einlegen. Besteht unser Kalorienüberschuss also sowohl aus Fetten als auch aus Kohlenhydraten und Eiweiß, werden anteilig mehr Kohlenhydrate für die Energieverbrennung herangezogen, während das verfügbare Fett  eingelagert wird [12].

Alkohol ist ein weiterer Makronährstoff, der im Gegensatz zu den anderen drei Vertretern sofort verbrannt wird, da der Körper ihn nicht speichern kann und er ein Gift für den Organismus darstellt, welches er loswerden möchte. Dadurch werden jedoch Fette und Kohlenhydrate weniger zur Energiegewinnung herangezogen und bevorzugt eingelagert [13, 14]. Solange du Alkohol im Blut hast, ist also deine Fettverbrennung beeinträchtigt.

Man bewegt sich mehr, wenn man mehr isst

Hinter der Aussage, dass manche Menschen von Natur aus einen "schnelleren" Stoffwechsel besitzen und daher weniger rapide zunehmen, ist ein Funke Wahrheit dran. Der Grund dafür ist, dass sich ihr Bewegungsdrang in Folge einer Kalorienaufnahme stärker verändert als bei anderen Personen und sie über diesen Wege mehr Energie verbrennen. Diese spontane Zunahme an Bewegung hat in Forschungsarbeiten bei einem Überschuss von 1000 Kilokalorien bis zu 700 Kilokalorien ausgemacht [15]. Das bedeutet, dass manche Menschen bis zu 70 Prozent ihres Kalorienüberschusses durch Bewegung verbrennen. Man bezeichnet das als Nicht-Trainingsbedingte Aktivitästhermogenese (NEAT), die jegliche Bewegungen umfasst, die wir außerhalb geplanter Trainingseinheiten durchführen.

Die Höhe des Verbrauches durch NEAT variiert jedoch stark von Person zu Person [16]. Andere Personen werden sich durch einen vollen Bauch eher weniger Bewegen als zuvor, weshalb der Effekt sogar negativ sein kann. Frauen zeigen in der Regel ebenfalls einen geringeren Anstieg als Männer [16]. Im Durchschnitt liegt die Steigerung des Energieverbrauches durch NEAT bei ungefähr 300 Kilokalorien, was je nach Ausmaß deines Cheats einen signifikanten Teil des Überschusses ausgleicht.

Der Begriff NEAT umfasst alle Bewegungen, die wir abgesehen vom Training ausführen. Selbst unbewusste Dinge wie Zappeln mit dem Fuß gehören dazu und bedingen maßgeblich unseren Energieverbrauch.

Nicht jede Kalorie wird verdaut und aufgenommen

Wie du vielleicht an dir selbst schon einmal festgestellt hast, wird nicht jede Kalorie, die du herunterschluckst, auch verdaut und aufgenommen. Manche Lebensmittel, besonders welche, die viele Ballaststoffe enthalten, werden im Verdauungstrakt nicht vollständig zerlegt, speziell dann, wenn die Nahrungsaufnahme akut gesehen sehr hoch ist. Weiterhin können Ballaststoffe die Aufnahme von Fett hemmen, wodurch ein gewisser Prozentsatz ausgeschieden wird [17]. Bedeutet dass, dass ein Großteil der Kalorien am Ende in der Toilette landet, wenn du genügend Ballaststoffe isst? Nein. Der Körper ist sehr gut darin, Kalorien aus Nahrungsmitteln zu extrahieren und der größte Teil, den du isst, wird auch verdaut und absorbiert.

Was passiert, wenn ich nur Protein und Kohlenhydrate esse?

Diese Frage wird sich der eine oder andere jetzt berechtigterweise stellen und auch Wissenschaftler haben diese Hypothese auf den Prüfstand gestellt [1]. In der ersten, weiter oben angesprochenen Studie verabreichten die Forscher ihren Probanden nicht nur einen Kalorienüberschuss von 50 Prozent oberhalb ihres Gesamtumsatzes, sie unterteilten sie auch in zwei Gruppen mit verschiedenen Diäten. Während eine Gruppe ihre zusätzlichen Kalorien in Form von Fett aufnahm, deckte die andere Gruppe ihren Überschuss durch Kohlenhydrate ab. Am Ende der zwei Wochen hatte die High-Fat-Gruppe 1,51 ± 0,24 Kilogramm reine Fettmasse zugenommen, wohingegen die High-Carb-Gruppe im Schnitt bei 1,48 ± 0,32 Kilogramm lag.

Wenn wir innerhalb dieser Untersuchung nach schlanken und übergewichtigen Personen unterscheiden zeigt sich, dass die Probanden mit weniger Körperfett durch beide Diäten weniger Fett zunahmen als die Übergewichtigen, das Ausmaß sich jedoch zwischen den beiden Ernährungsformen nicht signifikant voneinander unterschied [1]. Grund dafür ist, wie bereits angesprochen, dass von Natur aus schlanke Menschen den Kalorienüberschuss stärker über eine gesteigerte Aktivität kompensieren. Mit anderen Worten bedeutet das, dass es egal ist, ob du mehr oder weniger Fett zu dir nimmst, die Fettzunahme wird vergleichbar sein und hängt davon ab, wie sehr dein Körper dem Überschuss entgegensteuert.

Das Körpergewicht stieg in der High-Carb-Gruppe aufgrund der Glykogeneinlagerung etwas schneller an, erreichte am Ende jedoch ein ähnliches Ausmaß wie in der High-Fat Gruppe. Beide Ernährungsformen führten ebenfalls zu einem vergleichbaren Aufbau von Körperfett [1].
Allerdings muss man dabei beachten, dass diese Studie über mehrere Wochen andauerte und sich nicht auf einen einzigen Binge beschränkte. Außerdem nahm die High-Carb-Gruppe immer noch rund 30 Prozent ihrer Kalorien über Fette auf, denn dabei handelt es sich um einen essenziellen Nährstoff, den jeder von uns unweigerlich über die Nahrung zu sich nehmen muss. Das bedeutet jedoch auch, dass der Überschuss durch die Kohlenhydrate dafür sorgt, dass die restlichen Fettsäuren zu einem nicht unerheblichen Teil eingelagert werden können. Es war also nicht nur die Denovo-Lipogenese schuld an der Fettzunahme.

Was passiert aber, wenn ich meine Fettaufnahme für ein bis zwei Tage so niedrig wie möglich halte und mich nur an Kohlenhydraten überesse? Auch das haben Forscher untersucht und gaben dabei einer Gruppe eine "ausgewogene" Ernährung aus 300 Gramm Kohlenhydraten, 90 Gramm Protein und 90 Gramm Fett. Die andere Gruppe hingegen erhielt ganze 800 Gramm Kohlenhydrate bei gleichem Fett- und Proteingehalt in Gramm [12]. Nach vier Tagen mit dieser Ernährung wurden lediglich 13 Prozent der Kohlenhydrate in Körperfett umgewandelt. Zwar berechneten die Forscher nicht, welcher Masse das entspricht, aber wenn wir den Kaloriengehalt von Fetten und Kohlenhydraten berücksichtigen, ergibt sich ein theoretischer Wert von etwa 185 Gramm über die vier Tage.

800 g KH x 4 d x 13% x (4 kcal/ 9 kcal) = 184,88 g

Wenn du deinen Binge auf Kohlenhydrate und Protein beschränkst sowie bei einem Tag belässt, ist es unwahrscheinlich, dass du dadurch bedeutende Mengen an Körperfett aufbaust. Aber wer schafft es schon, 10.000 Kilokalorien allein aus Kohlenhydraten und Protein zu sich zu nehmen? Gehen wir von einer Proteinmenge zu 200 Gramm aus, müsste man dafür 2300 Gramm reine Kohlenhydrate zu sich nehmen, was einer Menge von knapp drei Kilogramm Gummibärchen entspricht. Unter der theoretischen Annahme, dass davon 13 Prozent in Körperfett umgewandelt werden können, ergibt sich ein Wert von 133 Gramm Körperfett, was marginal erscheint im Vergleich zu der aufgenommenen Kalorienmenge.

Fazit und Zusammenfassung

Eine übermäßige Kalorienzufuhr wird je nach Ausmaß und der Reaktion des persönlichen Körpers in den meisten Fällen dazu führen, dass wir an Körperfett zunehmen. Allerdings ist es unmöglich genau zu berechnen, wie viel nach dem Abbau der damit verbundenen Wasserzunahme genau hängen bleibt. Im Durchschnitt gesehen können wir als Faustregel jedoch von einem Wert von 75 Gramm Körperfett pro 1000 Kilokalorien im Überschuss ausgehen. Wenn wir den schlimmsten Fall annehmen, in dem du unter ungünstigen körperlichen Voraussetzungen tausende Kalorien mit einem hohen Fettanteil zu dir nimmst, kannst du eventuell mit bis zu einem Kilogramm Körperfett pro Tag rechnen, wobei dies sehr hoch gegriffen ist. Immerhin müsste der Überschuss in dem Falle 7000 Kilokalorien betragen, wovon alles verdaut und aufgenommen wird und dein Körper keine kompensatorischen Maßnahmen ergreift.

Wenn du den Fettanteil in deinem Binge jedoch niedrig bis moderat hältst und dich hauptsächlich an Kohlenhydrate und Protein hältst, dann wird sich das Ausmaß in Grenzen halten und sich durch ein paar Tage im Defizit ausgleichen lassen. Nichtsdestotrotz gilt es natürlich, solche Essanfälle durch eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung und eine stabile Psyche zu vermeiden. Immerhin bringen extreme Ausreißer immer auch deine gesamte Verdauung durcheinander.

Wir haben uns an dieser Stelle lediglich mit den physiologischen, aber nicht mit den psychologischen Aspekten von Essanfällen oder Cheatdays beschäftigt. Sofern du aufgrund dieses Artikels demzufolge denkst, regelmäßige Eskalationen seien okay, wenn du ein bisschen darauf achtest, an welchen Lebensmittel du dich überisst, kannst du dich ganz schnell in einer Essstörung wiederfinden und diese kann auf Dauer zu einem ernstzunehmenden psychischen Problem werden. Daher möchten wir zur Vorsicht bei der Interpretation dieses Textes aufrufen.

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Wer kennt es? Ausgelöst durch einen schwachen Moment, wird eine regelrechte Kettenreaktion in Gang gesetzt, die dazu führt, dass wir scheinbar unkontrolliert hochkalorische Lebensmittel in uns hineinstopfen. Aus Sorge vor einer Zunahme an Körperfett fragen sich viele daher, wie schlimm die Auswirkungen eines solchen Essanfalls auf das körperliche Erscheinungsbild sein können. Während Körperfett einen Energiegehalt von 7000 Kilokalorien pro Kilogramm aufweist, zeigen Untersuchungen jedoch, dass bei den meisten von uns ein körperlicher Kompensationsmechanismus dafür sorgt, dass nicht jede einzelne aufgenommene Kalorie auf den Hüften oder am Bauch landet. Die genauen Details haben wir in einem neuen Artikel auf www.gannikus.de für euch zusammengefasst. 🍕🍟🍔

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Literaturquellen:

  1. Horton, Tracy J., et al. "Fat and carbohydrate overfeeding in humans: different effects on energy storage." The American journal of clinical nutrition 62.1 (1995): 19-29.
  2. Johannsen, Darcy L., et al. "Effect of 8 weeks of overfeeding on ectopic fat deposition and insulin sensitivity: testing the “adipose tissue expandability” hypothesis." Diabetes care 37.10 (2014): 2789-2797.
  3. Heer, Martina, et al. "Increasing sodium intake from a previous low or high intake affects water, electrolyte and acid–base balance differently." British journal of nutrition 101.9 (2009): 1286-1294.
  4. Singer, D. R., et al. "Blood pressure and endocrine responses to changes in dietary sodium intake in cardiac transplant recipients. Implications for the control of sodium balance." Circulation 89.3 (1994): 1153-1159.
  5. Hull, Holly R., et al. "The effect of the Thanksgiving holiday on weight gain." Nutrition journal 5.1 (2006): 29.
  6. Yanovski, Jack A., et al. "A prospective study of holiday weight gain." New England Journal of Medicine 342.12 (2000): 861-867.
  7. Olsson KE, Saltin B. Variation in total body water with muscle glycogen changes in man. Acta Physiol Scand. 1970 Sep;80(1):11-8.
  8. Westerterp, Klaas R. "Diet induced thermogenesis." Nutrition & metabolism 1.1 (2004): 5.
  9. Calcagno, Manuel, et al. "The Thermic Effect of Food: A Review." Journal of the American College of Nutrition 38.6 (2019): 547-551.
  10. Tipton, Kevin D., and Robert R. Wolfe. "Protein and amino acids for athletes." Journal of sports sciences 22.1 (2004): 65-79.
  11. Minehira, Kaori, et al. "Effect of carbohydrate overfeeding on whole body and adipose tissue metabolism in humans." Obesity research 11.9 (2003): 1096-1103.
  12. Minehira, K., et al. "Effect of carbohydrate overfeeding on whole body macronutrient metabolism and expression of lipogenic enzymes in adipose tissue of lean and overweight humans." International journal of obesity 28.10 (2004): 1291.
  13. Siler, Scott Q., Richard A. Neese, and Marc K. Hellerstein. "De novo lipogenesis, lipid kinetics, and whole-body lipid balances in humans after acute alcohol consumption." The American journal of clinical nutrition 70.5 (1999): 928-936.
  14. Shelmet, John J., et al. "Ethanol causes acute inhibition of carbohydrate, fat, and protein oxidation and insulin resistance." The Journal of clinical investigation 81.4 (1988): 1137-1145.
  15. Levine, James A., Norman L. Eberhardt, and Michael D. Jensen. "Role of nonexercise activity thermogenesis in resistance to fat gain in humans." Science 283.5399 (1999): 212-214.
  16. Levine, James A., et al. "Non-exercise activity thermogenesis: the crouching tiger hidden dragon of societal weight gain." Arteriosclerosis, thrombosis, and vascular biology 26.4 (2006): 729-736.
  17. KANEKO, Kayoko, et al. "Effect of Fiber on Protein, Fat and Calcium Digesti-bilities and Fecal Cholesterol Excretion." Journal of nutritional science and vitaminology 32.3 (1986): 317-325.
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