Die Langhantel, die 500 Kilo aushält! - Gannikus.de

The Elephant Bar : Die Langhantel, die 500 Kilo aushält!

Die Gewichte, die Athleten heutzutage nur mit Zughilfen und Gürtel heben können, sind schier unglaublich. Während der RAW Weltrekord unter Kraftdreikampf-Richtlinien mit einer normalen Hantel und lediglich einem Gewichthebergürtel ausgestattet bei 460 Kilo liegt, sind beispielsweise Powerlifter in der Lage, noch höhere Lasten anzuheben, wenn das richtige Equipment verwendet wird. Zwar kann man im örtlichen Fitnessstudio hin und wieder sehr starke Kraftleistungen bewundern, doch mit einer halben Tonne Gewicht sind handelsübliche Langhanteln dennoch überfordert. Um der scheinbar immer weiter steigenden Power der Athleten gerecht zu werden, sehen sich die Hersteller im Zugzwang, immer robustere Hanteln zu entwickeln.

Wir blicken zurück ins Jahr 1987. Im Rahmen eines schottischen Strongman Wettkampfs schaffte es der isländische Strongman, Powerlifter und Bodybuilder Jón Páll Sigmarsson, eine 456 Kilo schwere Vorrichtung aus zwei großen Wagenrädern, die an eine hölzerne Achse befestigt waren, anzuheben. Bevor er das Gewicht wieder absetzte, schaute er in die Menge und brüllte er den Satz: "There is no reason to be alive if you can’t do deadlift". Zu Deutsch: "Es gibt keinen Grund am Leben zu sein, wenn du nicht Kreuzheben kannst." Dieser Satz ist bis heute ein Tribut an die wohl puristischste Messgröße schierer Körperkraft – dem Kreuzheben. Selbst Hafthor Björnsson, World’s Strongest Man 2018 hat diesen Spruch auf seinem Bein verewigen lassen, um sich stets durch die Worte seines Landsmanns an seine Herkunft und Ziele zu erinnern.

Zurück in die Gegenwart. Einige der stärksten Männer, die dieser Planet je zu Gesicht bekommen hat, treffen sich zu einem alljährlichen Höhepunkt im Strongman Sport. Auf dem Arnold Sports Festival leiten sie traditionell die Saison ein und kämpfen in verschiedenen Disziplinen um den Titel. Beim Kreuzheben werden jedoch schon lange keine Wagenräder mehr gehoben. Stattdessen wuchten die groß gewachsenen Sportler eine auf den ersten Blick normale, wenngleich überlange Langhantel nach oben. Doch diese Langhantel, die Rogue Fitness Elephant Bar, ist alles andere als normal. Sie wurde durch akribische Ingenieurskunst so entwickelt, dass sie den unglaublichen 500 Kilo Lifts standhalten kann, ohne sich dabei permanent zu verbiegen oder gar zu brechen.

Die Hantel

Die Disziplin der Elephant Bar entstand aus einem früheren Event, bei dem die Athleten eine Hantel zogen, die mit den Rädern der amerikanischen Geländewagen-Marke Hummer beladen wurde. Es wirkte sehr beeindruckend, wenn sich die 4,25 Meter lange Hantel unter dem Gewicht verbog. Doch da die Räder wesentlich größer sind als eine normale Gewichtsscheibe, lag diese Hantel auch deutlich höher und war somit nicht mit dem traditionellen Kreuzheben vergleichbar. 

Der amerikanische Hantelproduzent Rogue Fitness hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, eine Langhantelstange zu entwickeln, die ähnlich stark wippte wie das Vorgängermodell, doch gleichzeitig näher an der Form des Kreuzhebens zu bleiben, die im Powerlifting ausgeführt wird. Der Name der Hantel und gleichzeitig auch der neuen Disziplin wurden an den späten Terry Todd angelehnt, der selbst erfolgreicher Gewichtheber, Trainer und Journalist war und früher als Leiter der Arnold Strongman Classic diente.

Im Ergebnis ist die neue Hantel etwa 2,90 Meter lang und damit ca. 75 Zentimeter länger als die Hantel, die man in einem typischen Fitnessstudio findet. "Je weiter die Gewichte voneinander entfernt sind, desto stärker wird sich die Hantel biegen," sagt Ahmik Jones, Leiter der Produktentwicklung bei Rogue Fitness.

Um so flexibel zu sein ohne zu brechen, musste Rogue außerdem das richtige Material finden. Ein Metall mit einer Zugfestigkeit von 190.000 bis 220.000 psi musste her. Wenn dieser Parameter zu gering ist, wird sie sich zu schnell verbiegen. Geht man drüber hinaus, wird die Hantel spröde und bricht. Die Firma entschied sich für einen Edelstahl mit einer Zugfestigkeit von 200.000 psi, wie man ihn auch in einigen ihrer anderen, herkömmlichen Langhanteln findet. 

Eine Hantel herzustellen, die diese Art von Gewicht aushält, war einfach. Der schwierige Part hingegen war sie so zu entwickeln, dass sie mehrere Male gehoben werden kann und selbst nach vielen Versuchen immer noch gerade bleibt. Hier kommt der Durchmesser der Stange ins Spiel, ein wichtiger Faktor, um sie gerade zu halten.

Eine herkömmliche Hantel hat einen Durchmesser von 27 Millimeter, was nicht stark genug war, um mit den geforderten Ansprüchen fertig zu werden. Zwei Millimeter mehr reichten jedoch aus, dass sich die Elephant Bar auch nach mehreren Wiederholungen nicht dauerhaft verbog. Die Tests begannen mit ortsansässigen Strongmen. Doch als diese nicht mehr an die Leistungen herankamen, denen sich die Hantel bei der Arnold Classic gegenüber sehen würde, verwendete man einen Gabelstapler, lud 475 Kilo auf und ließ sie 50 Mal aus der Höhe fallen, die der größte Teilnehmer im Wettkampf erreichen könnte.

Der Isländer Hafthor Björnsson gewann die Disziplin im Jahr 2018 und schaffte es, 472 Kilo damit zu heben.

Die Gewichte

Die Gewichte bei einem herkömmlichen Powerlifting-Event unterscheiden sich ebenfalls von denen, die auf der Elephant Bar verwendet werden. Nicht nur die Hantel ist kürzer, auch die Gewichtsscheiben sind dünner. "Mit Wettkampfscheiben kann man 440 Kilo auf den ersten 15 bis 18 Zentimetern der Scheibenaufnahme unterbringen," sagt Jones. Das hält das Gewicht näher am Mittelpunkt und bewahrt davor, dass die Stange zu sehr wippt. Doch was beim Powerliftig vermieden werden soll, möchte man in dieser Disziplin bewusst provozieren.


Auch die Gewichtsscheiben der Elephant Bar sind speziell angefertigt. Man sieht darauf unter anderem die Silhouette von Arnold Schwarzenegger.

Speziell für die Elephant Bar haben die Hersteller fünf Zentimeter breite Scheiben hergestellt, die zwar beeindruckend aussehen, aber auch weit ans Ende der Stange hinausreichen und daher zu einem stärkeren Schwung führen. Da die Scheiben so groß sind, muss auch die Scheibenaufnahme der Elephant bar mit 71 Zentimetern sehr breit sein, wohingegen es eine normale Langhantel nur auf etwa 43 Zentimeter bringt.

Jede Scheibe beginnt als 70 Kilo schwerer Block und verbringt ca. 13 Stunden in einer CNC Fräse, bis ein Exemplar mit knapp über 20 Kilo herauskommt. Anschließend werden sie auf Hochglanz poliert und so lange weiter gefräst, bis sie exakt 45 Pfund (20,41 Kilo) wiegen. Rogue stellte 32 dieser Scheiben für die Arnold Classic her.

Wie fühlt es sich an, mit der längeren Hantel zu heben?

Im ersten Jahr, in dem die Elephant Bar im Einsatz war, brach der britische Strongman Eddie Hall damit den Weltrekord, indem er 465 Kilo hob, während ihn Arnold Schwarzenegger höchstpersönlich anfeuerte. Wie man im Video sehen kann, kämpfen die Athleten mit der wippenden Hantel.

Laut Catherine Toniatti Yanulavich, ihres Zeichens selbst erfolgreiche Athletin, die mit einer Vielzahl verschiedener Hanteln trainiert hat, besitzt eine längere Hantel gewisse Vorzüge, aber auch Nachteile. "Während der ersten paar Zentimeter biegt sich nur die Stange, aber die Gewichte liegen noch am Boden, sodass es sich zunächst leichter anfühlt. Sobald sie jedoch den Boden verlassen, hat man all das Gewicht in seiner Hand. Wenn die Stange dann anfängt zu schwingen, muss man sie mit dem Rumpf stabilisieren und man fällt leicht nach hinten um."

Wie weit kann Kreuzheben gehen?

Eddie Hall brach 2016 seinen eigenen Rekord, als er bei den World Deadlift Championships 500 Kilo hob. Dieser Rekord wurde zwar mit schmaleren Scheiben und einer normalen Hantel aufgestellt, aber die Kraft der Athleten steigt und steigt. Rogue hat die Elephant Bar mit bis zu 570 Kilo getestet, um sicherzugehen, dass auch bei fast 100 Kilo mehr nichts schiefgehen kann, sollte es ein Athlet eines Tages schaffen, so stark zu werden.

Ob es jemals ein Athlet schaffen wird, die Rogue Elephant Bar an ihre Grenzen zu bringen, bleibt abzuwarten. Aufgrund der Einzigartigkeit dieser Hantel ist es jedoch schwer für die Teilnehmer, sich auf die Besonderheiten einer solchen Herausforderung einzustellen. Hafthor Björnsson, Gewinner der Disziplin im Jahr 2018, trainiert beispielsweise an einem herkömmlichen Exemplar, welches er selbst verlängert hat, um ein ähnliches Gefühl zu erzeugen, mit dem er sich im Wettkampf konfrontiert sieht.


Primärquelle:
popsci.com/rogue-elephant-bar-deadlift-barbell

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