Wer schon einmal eine Dating-App wie Tinder, Lovoo oder Badoo verwendet hat, weiß ganz genau, dass man dabei fast ausschließlich aufgrund seines Äußeren bewertet wird. Ob die Person am anderen Ende nach links oder nach rechts swiped, liegt vor allem am ersten Eindruck, den das Profilbild eines Nutzers hinterlässt. Die Nutzung einer solchen Art von Technologie hat demnach wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Art und Weise wie Menschen mit ihrem Körper umgehen. Ernährungswissenschaftler der renommierten Harvard University berichten im Journal für Essstörungen darüber, dass die Nutzer von Dating-Apps ebenfalls öfter zu anabolen Steroiden, Diätpillen oder Abführmitteln greifen sowie unter Essstörungen leiden.
Die Studie
Die Forscher nahmen 1.726 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren unter die Lupe. 17 Prozent von ihnen nutzten Dating-Apps, wohingegen der Rest keine Erfahrungen mit der Smartphone-Software hatte. Auf Grundlage von Fragebögen ermittelten die Wissenschaftler, ob die Teilnehmer auf ungesunde Art und Weise versuchten abzunehmen. Dabei sollte man das Wörtchen „ungesund“ jedoch mit ein wenig Vorsicht genießen.
Die Rede ist hier von Methoden, die bei den konservativen Ernährungswissenschaftlern für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Während wir nicht nachvollziehen können, was an Intermittierendem Fasten oder Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen schlimm sein soll, erachten die Harvard Professoren dies als potenziell gesundheitsschädlich. Aber auch andere Praktiken fallen für sie unter diese Kategorie.
Die Ergebnisse
Während diejenigen Studienteilnehmer, die Erfahrungen mit Dating-Apps hatten, öfter angaben, dass sie versucht haben mithilfe von Erbrechen, Fasten oder Abführmitteln abzunehmen, wurde auch ein deutlich höherer Trend für Supplements zum Muskelaufbau gezeigt. Den größten Unterschied zwischen den beiden Gruppen gab es jedoch in der Verwendung von anabolen Steroiden. Unter den Teilnehmern, die Dating-Apps verwendeten, war der Gebrauch der leistungssteigernden Hormonpräparate um den Faktor 16,2 höher als im Rest der Studienpopulation.
Neue Studie: Sind sich Steroidnutzer der gesundheitlichen Konsequenzen bewusst?
Vorab: Wir sind keine Befürworter des Konsums verbotener, leistungssteigernder Substanzen. Der durchschnittliche Studiogänger sollte in der Lage sein, mit Hilfe von intelligentem Training auch ohne Steroide und Co. gute Resultate zu erbringen. Die gesundheitlichen und auch rechtlichen Risiken werden dem Nutzen in den meisten Fällen nicht gerecht. Zumindest solange du kein Schauspieler oder Profisportler bist, […]
Die Forscher schreiben in ihrer Schlussfolgerung, dass indessen weiterhin nicht klar ist, ob der Gebrauch von Dating-Apps kausal zu negativen Auswirkungen auf die Gesundheit führt. Dabei zählen sie insbesondere ein „ungesundes“ Kontrollverhalten über das Körpergewicht auf. Dennoch sind sie der Meinung, ihre Ergebnisse würden Spekulationen darüber fördern, ob Nutzer von Dating-Apps ein größeres Risiko für vermeidbare körperliche und psychische Gesundheitsgefahren tragen.
Das vielleicht wichtigste Supplement für den Muskelaufbau?
Während die Harvard Wissenschaftler weitere Studien fordern, die den Zusammenhang zwischen Dating-Apps, Essstörungen und dem Gebrauch anaboler Steroide untersucht, müsste wohl klar sein, dass hier ein wenig mehr Klarheit herrschen sollte. Einerseits sind es vor allem junge Menschen die derartige Apps verwenden, sich aber auch öfter anabolen Steroiden bedienen und eine größere Prävalenz für ein gestörtes Essverhalten aufweisen. Andererseits scheint ein offensichtlicher Störfaktor auf der Hand zu liegen, da die Studie ein Teilnehmerfeld bis 65 Jahre untersuchte.
Sicherlich kann man aber auch nicht leugnen, dass Dating-App-Nutzer womöglich versuchen durch ihr Äußeres auf sich aufmerksam zu machen, da ihnen auf diesem Wege kaum eine andere Möglichkeit bleibt und sie deshalb ein ungesundes Verhaltensmuster entwickeln könnten. Möglicherweise liegt die Kausalität zum Teil auch umgekehrt begründet. Es wäre durchaus vorstellbar, dass besonders Menschen, die unsicher sind versuchen, einerseits über den anonymen Weg von Tinder und Co. Menschen kennenzulernen, bedingt durch ihre Persönlichkeit ebenfalls häufiger zu psychischen Störungen neigen. Damit geben wir den Forschern insofern recht, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um den Zusammenhang besser klären zu können.
Primärquelle: www.ergo-log.com/users-dating-apps-use-anabolic-steroids-more-often.html
Literaturquelle:
Tran, Alvin, et al. „Dating app use and unhealthy weight control behaviors among a sample of US adults: a cross-sectional study.“ Journal of Eating Disorders 7.1 (2019): 16.