Welchen Einfluss hat Paracetamol auf den Muskelaufbau? - Gannikus.de

Bei Grippe und Co.: Welchen Einfluss hat Paracetamol auf den Muskelaufbau?

Egal ob Coronavirus oder normale Grippe, bei einer Infektion mit Viren, Bakterien oder anderen pathogenen Mikroorganismen kommt es häufig zu Fieber und Schmerzen. Ein probates Mittel gegen diese lästigen Symptome sind fiebersenkende Schmerzmittel, allen voran Paracetamol. Beispielsweise kommt es in den Markenprodukten Grippostad C oder Thomapyrin zum Einsatz. Wie wir bereits aus anderen Artikeln gelernt haben, sind Schmerzmittel aber nicht in jeder Situation frei von Beeinträchtigungen der sportlichen Zielsetzung. Wir versuchen daher heute zu beleuchten, welchen Einfluss Paracetamol auf den Muskelaufbau haben kann.

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie besitzen frei verkäufliche Medikamente gegen Grippesymptome Hochkonjunktur. Die Weltgesundheitsorganisation hat zwischenzeitlich vorsichtshalber von Ibuprofen bei Verdacht auf eine Infektion mit dem COVID-19 Erreger abgeraten. Es habe zwar keine neuen Studien gegeben, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höherer Sterblichkeit verbunden sei, doch habe man aufgrund eines Papers im Fachjournal "Lancet", in dem eine mögliche unerwünschte Wirkung von Ibuprofen erwähnt wird, geraten, das Medikament nur auf ärztlichen Rat einzunehmen, falls Symptome von COVID-19 auftreten sollten. Mittlerweile hat man diese Warnung jedoch zurück gezogen.

Ibuprofen und Paracetamol gehören zwar beide zu den Schmerzmitteln, doch bedienen sich einem unterschiedlichen Wirkmechanismus. Deshalb könnten sie sich auch in ihrem Einfluss auf den Muskelaufbau unterscheiden. Inwieweit das für entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen gilt, haben wir in diesem Artikel besprochen. Heute soll es um die Auswirkungen von Paracetamol auf den Muskelaufbau gehen.

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Wie wirkt Paracetamol?

Anders als bei nicht-steroidalen und entzündungshemmenden Medikamenten, im Englischen abgekürzt als NSAIDs bezeichnet, zu denen unter anderem Aspirin und Ibuprofen gehören, ist der genaue Wirkmechanismus von Paracetamol bisher nicht vollständig identifiziert [1].

NSAIDs wirken, indem sie das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2) hemmen, welches wiederum für die Bildung von Prostaglandinen verantwortlich ist. Diese Gewebshormone entfalten beim Menschen abhängig vom Zielgewebe verschiedene Wirkungen. Eine ihrer Aufgaben ist die Übermittlung von Entzündungssignalen, damit dieser Abwehrmechanismus des Körpers eingeleitet werden kann. Wenn NSAIDs also COX hemmen, blockieren sie damit die Entzündung und das damit verbundene Schmerzsignal. Prostaglandine sind ebenfalls in Prozessen involviert, die die Hypertrophie von Muskelzellen einleiten und einige systematische Studien zeigen, dass NSAIDs die Übertragung anaboler Signale hemmen können [2]. Aus diesem Grund können Ibuprofen und Co. den Muskelaufbau beeinträchtigen, wenn sie die Entzündung zu stark reduzieren.

Obwohl Paracetamol ebenfalls auf die Cyclooxygenase einwirkt, führt es nicht zu einer signifikanten Reduzierung der Entzündungsreaktionen im Gewebe, weshalb es auf diesem Mechanismus nicht zu einer Beeinträchtigung des Muskelaufbaus kommen sollte. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail gehen zu wollen, kommen aktuell einige Mechanismen infrage, die das Schmerzsignal erst im Gehirn blockieren, wo es durch die Nervenleitbahnen ankommt anstatt am Ort der Entstehung selbst [1]. Auch wenn wir bisher keine Klarheit über den Mechanismus haben, gibt es Studien, die sich mit den Auswirkungen von Paracetamol auf den Muskelaufbau beschäftigt haben.

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Paracetamol und die körperliche Leistung

Bevor wir uns dem Einfluss von Paracetamol auf den Muskelaufbau widmen, möchten wir uns seine Wirkung auf die akute körperliche Leistung ansehen, denn dies sind zwei unterschiedliche Parameter. Eine Studie an Radsportlern kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass die Athleten eine höhere Rate der Kraftproduktion auf die Pedale entwickeln konnten und eine höhere Herzfrequenz und Laktatproduktion erreichten, wenn sie vorher 1500 Milligramm Paracetamol einnahmen [3]. Eine weitere Untersuchung im Radsport verabreichte 20 Milligramm Paracetamol je Kilogramm fettfreier Körpermasse an Hobbyathleten und fand heraus, dass sie damit in heißem Klima deutlich länger durchhielten und anschließend sogar eine signifikant niedrigere Körpertemperatur aufwiesen [4].

Die Leistung beim hoch intensiven Intervalltraining (HIIT) kann ebenfalls von der Einnahme des fiebersenkenden Schmerzmittels profitieren. Das zeigte eine Untersuchung mit ebenfalls 1500 Milligramm Paracetamol vor einem Sprint [5]. Die Hobbyathleten waren in der Lage, näher an ihrem Maximum zu arbeiten als die Probanden in der Placebo-Gruppe. Und auch eine Untersuchung an Kraftsportlern gibt es, in der die Einnahme von 1000 Milligramm Paracetamol dazu geführt hat, dass die Probanden mehr Wiederholungen am Beinstrecker schafften [6].

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Die Daten zeigen, dass die Einnahme von Paracetamol einen signifikant leistungssteigernden Effekt auf Ausdauer- und Kraftsport haben kann. Diese Studien wurden zwar an körperlich aktiven Menschen durchgeführt, allerdings nicht an ambitionierten Sportlern. Die Mechanismen der Leistungssteigerung liegen im Wesentlichen dem reduzierten Schmerzempfinden zugrunde. Erfahrene Sportler weisen meist durch ihr jahrelanges Training ohnehin eine hohe Schmerztoleranz auf, weshalb zu bezweifeln ist, dass Schmerzmittel hier die gleichen Wirkungen verursachen.

Paracetamol und die Muskelproteinsythese

Athleten, deren Ziel es ist, möglichst viel Muskelmasse aufzubauen, sollte es jedoch nicht nur um die Trainingsleistung gehen, sondern um die Muskelproteinsynthese (MPS). Hier sind die Daten nicht ganz so eindeutig wie bei der körperlichen Leistung, doch können wir wahrscheinlich dennoch eine Ableitung treffen. In einer frühen Untersuchung von 2002 verabreichte man jungen Männern im Anschluss an ein intensives Beintraining am Beinstrecker entweder 1200 Milligramm Ibuprofen, 4000 Milligramm Paracetamol oder ein Placebo [7].

Paracetamol Muskeaufbau
Die frühe Studie zeigt anhand von jungen Probanden, dass Ibuprofen und Paracetamol die Muskelproteinsynthese nach dem Training deutlich beeinträchtigen [7]
Wie wir aus unseren Erkenntnissen über Ibuprofen wissen, hemmt es in diesen Dosierungen bei jungen Menschen die MPS, weshalb das auch in dieser Studie keine Überraschung war. Die Placebogruppe erlitt keine Beeinträchtigung. Anhand der Daten scheint es, als würde Paracetamol die MPS sogar stärker hemmen als Ibuprofen. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass die verwendete Dosis im Falle des Ersteren rund das Dreifache einer herkömmlichen Menge in frei verkäuflichen Tabletten (400 Milligramm) entspricht und beim Paracetamol das Vier- bis Achtfache einer normalen Dosierung (500 bis 1000 Milligramm). Eine Dosis-Wirk-Beziehung ist bisweilen nicht bekannt.

Eine zweite Studie aus dem Jahre 2010 ließ dagegen ältere Menschen über zwölf Wochen trainieren und verabreichte ihnen in mehreren Gruppen entweder Paracetamol in verschiedenen Dosierungen zwischen 1000 und 4000 Milligramm, zwischen 400 und 1200 Milligramm Ibuprofen oder ein Placebo [8]. Am Ende stellte sich heraus, dass die Einnahme der zwei Schmerzmittel bei diesen älteren Menschen den Muskelaufbau sogar leicht verbesserte. Zum einen stieg der Gehalt an COX-1 und COX-2 weniger stark an und zum anderen bauten die Probanden mehr Kraft auf.

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Wie im Artikel über Ibuprofen bereits gezeigt, steigt mit dem Alter die Rate chronischer Entzündungen, und zwar so weit, dass sie einen negativen Einfluss auf die Hypertrophie nehmen. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen senken den Grad der Entzündungen auf ein Level, welches dem Muskelaufbau dann wieder zuträglich sein kann. Zusätzlich leiden ältere Menschen aufgrund der Entzündungen sowie Verschleißerscheinungen oft an Schmerzen bei körperlicher Aktivität. Beide Schmerzmittel könnten dafür gesorgt haben, dass die im Schnitt Mitte 60-jährigen Herrschaften näher an ihre Grenzen beim Training gehen konnten und so einen größeren Reiz für Muskel- und Kraftaufbau gesetzt haben.

Fazit und Zusammenfassung

Leider sind dies bisher die einzigen beiden verlässlichen Studien, die den Einfluss von Paracetamol auf den Muskelaufbau untersucht haben. Oberflächlich betrachtet stehen sie sich scheinbar entgegen. Während die erste einen negativen Effekt des Schmerzmittels für unsere Zuwächse zeigte, deutet die zweite auf eine leichte Verbesserung hin. Allerdings gilt hier das Alter der Probanden zu beachten. Junge, gesunde Athleten mit einem geringen Grad an Entzündungen werden wahrscheinlich eine Beeinträchtigung durch hohe Dosierungen  Paracetamol für den Muskelaufbau erfahren. Inwieweit niedrige Dosierungen die Zuwächse beeinflussen, ist dagegen nicht bekannt.

Wie schon bei Ibuprofen festgestellt, können jedoch insbesondere ältere Menschen von der Einnahme profitieren, zumindest was den Muskelaufbau angeht. Genau wie Ibuprofen führt Paracetamol aber zu einer erheblichen Belastung für die Leber und kann in hohen Dosen zum Versagen dieses wichtigen Stoffwechselorgans führen [9]. Deshalb sollten Scherzmittel immer mit Bedacht und langfristig auch nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden. Solange eine akute Erkrankung, wie beispielsweise COVID-19 oder eine Grippe vorliegt, sollte man jedoch den Muskelaufbau depriorisieren und einer möglichen Verschreibung von Paracetamol nachgehen. Die Studie an jungen Menschen zeigte keinen gesteigerten Muskelproteinabbau durch die Einnahme und man sollte ohnehin nicht trainieren, wenn man eine Infektion aufweist. Daher muss man im Krankheitsfall keine Sorge haben, dass Paracetamol den Muskelabbau beschleunigt.

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Paracetamol gilt als beliebtes Schmerzmittel bei Grippe und anderen Infektionen, da es zeitgleich fiebersenkend wirkt. Die Frage ist jedoch, wie es sich auf den Muskelaufbau auswirkt. Während andere Schmerzmittel, wie Ibuprofen, aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften den Muskelaufbau bei jungen Menschen beeinträchtigen, scheint Paracetamol kaum Auswirkungen auf Entzündungen im Gewebe zu haben. Mehrere Studien zeigen, dass die schmerzlindernde Wirkung dazu führt, dass wir akut gesehen eine größere körperliche Leistung aufwenden und länger arbeiten können. Eine Studie an jungen Probanden zeigte allerdings einen negativen Effekt auf die Muskelproteinsynthese. Eine weitere Untersuchung an älteren Herrschaften ergab jedoch, dass die Probanden mit Einnahme von Paracetamol leichter bessere Fortschritte machten. Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Schmerzen bei älteren Menschen besonders vorherrschend sind und sie durch das Medikament trotz beeinträchtigter Proteinsynthese einen stärkeren Reiz setzen konnten. In jedem Fall sollte Paracetamol jedoch nur im Krankheitsfall eingesetzt werden und wer krank ist, sollte nicht trainieren. Mehr dazu erfahrt ihr in einem neuen Artikel auf www.gannikus.de. 💊💊

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Literaturquellen:

  1. Sharma, Chhaya V., and Vivek Mehta. "Paracetamol: mechanisms and updates." Continuing Education in Anaesthesia, Critical Care & Pain 14.4 (2014): 153-158.
  2. Lilja, M., et al., High‐doses of anti‐inflammatory drugs compromise muscle strength and hypertrophic adaptations to resistance training in young adults. Acta Physiologica, 2017.
  3. Mauger, Alexis R., Andrew M. Jones, and Craig A. Williams. "Influence of acetaminophen on performance during time trial cycling." Journal of Applied Physiology 108.1 (2010): 98-104.
  4. Mauger, Alexis R., et al. "Acute acetaminophen (paracetamol) ingestion improves time to exhaustion during exercise in the heat." Experimental physiology 99.1 (2014): 164-171.
  5. Foster, Josh, et al. "The influence of acetaminophen on repeated sprint cycling performance." European journal of applied physiology 114.1 (2014): 41-48.
  6. Morgan, Paul T., et al. "Acute acetaminophen ingestion improves performance and muscle activation during maximal intermittent knee extensor exercise." European journal of applied physiology 118.3 (2018): 595-605.
  7. Trappe, Todd A., et al. "Effect of ibuprofen and acetaminophen on postexercise muscle protein synthesis." American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism 282.3 (2002): E551-E556.
  8. Trappe, Todd A., et al. "Influence of acetaminophen and ibuprofen on skeletal muscle adaptations to resistance exercise in older adults." American Journal of Physiology-Regulatory, Integrative and Comparative Physiology 300.3 (2011): R655-R662.
  9. Yoon, Eric, et al. "Acetaminophen-induced hepatotoxicity: a comprehensive update." Journal of clinical and translational hepatology 4.2 (2016): 131.
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