Erhöht HIIT das Verletzungsrisiko?! - Gannikus.de

IntervalltrainingErhöht HIIT das Verletzungsrisiko?!

Hochintensives Intervalltraining, kurz HIIT, wird von vielen als der heilige Gral angesehen, wenn es darum geht, in möglichst kurzer Zeit möglichst große Erfolge herbeizuführen. Die Variante des Ausdauertrainings besteht abwechselnd aus kurzen, aber hochintensiven Belastungsphasen, gefolgt von leichteren Phasen der aktiven Regeneration. Besonders in der Fitnessszene wird HIIT gern verwendet, da es zusätzlich zur aeroben Energiebereitstellung auch die anaerobe Leistung fördert, die im Krafttraining eine wesentliche Rolle spielt. Laut amerikanischen Forschern könnte diese Methode jedoch zu einer höheren Verletzungsanfälligkeit beitragen.

Die an der Rutgers University durchgeführte Studie gesteht zunächst ein, dass HIIT zwar eine effektive Methode zur Verbesserung der kardiorespiratorischen Fitness ist sowie den Fettverlust und das Muskelwachstum unterstützt, doch sehen die Forscher ebenfalls einen Zusammenhang mit einer höheren Verletzungsanfälligkeit.

Die Untersuchung analysierte Daten des nationalen elektronischen Kontrollsystems für Verletzungen, die zwischen 2007 und 2016 erhoben wurden. Dabei fanden die Wissenschaftler ganze 3.988.902 Verletzungen, die durch Trainingsutensilien wie Langhanteln, Kettlebells, Boxen oder Übungen wie Burpees, Liegestütze und Ausfallschritte verursacht wurden, welche oft in HIIT-Programmen zum Einsatz kommen. Die meisten Verletzungen waren dabei in den Knien, Schultern und Sprunggelenken lokalisiert, wobei Männer zwischen 20 und 39 Jahren am häufigsten betroffen waren.


Erster Selbsttest: Wenn es im Training schmerzt!


Mit zunehmender Beliebtheit von HIIT-Workouts fanden die Forscher einen stetigen Anstieg der Verletzungen um 50.944 pro Jahr, was ebenfalls mit der Anzahl an Sucheinträgen bei Google nach diesen Trainingsprogrammen korreliert. Weiterhin wiesen sie in dem zehnjährigen Untersuchungszeitraum eine signifikante Steigerung von Nervenschäden, Schäden an den inneren Organen, Hirnerschütterungen, Stichverletzungen, Verrenkungen und Zerrungen nach.

Hobbysportler, die derartige Trainingseinheiten ohne Anweisung durchführen, tragen ein hohes Risiko für Verletzungen durch eine schlechte Ausführung und Überanspruchung der Muskeln.

„Es gibt klare Anzeichen dafür, dass diese Art von Verletzungen – besonders bei wiederholter Belastung auf die Knie – zu Gelenkverschleiß führen“, sagte Joseph Ippolito, Arzt am Fachbereich für Gelenke an der Rutgers Universitätsklinik.

„Diese Workouts werden so vermarktet, als könnten sie von jedem angewandt werden. Stattdessen weisen viele Athleten, insbesondere Amateure, nicht die Flexibilität, Mobilität, Rumpfstabilität und Muskelkraft auf, um diese Übungen sicher auszuführen.

Zusammenfassend sagte die Co-Autorin der Studie, Nicole D. Rynecki: „Wir wollen die Leute nicht von dieser Art des Trainings abschrecken, aber empfehlen ihnen dennoch, sich zunächst mit ihrem körperlichen Zustand und ihren Schwächen zu befassen, die sie für Verletzungen prädestinieren. Dehnübungen können den Bewegungsradius vergrößern und auch die Stärkung der Rotatorenmanschette ist von hoher Bedeutung, besonders bei älteren Menschen“. Personen unter uns, die tendenziell eine schlechtere Mobilität und Flexibilität aufweisen, sowie Anfänger, sollten daher eventuell zunächst von HIIT Abstand nehmen, um Verletzungen vorzubeugen. 


Primärquelle: sciencedaily.com/releases/2019/04/190409083239.htm

Literaturquelle: Rynecki, N. D., et al. „Injuries sustained during high intensity interval training: are modern fitness trends contributing to increased injury rates?.“ The Journal of sports medicine and physical fitness (2019).

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