Beeinflusst die Mikrowelle die Nährstoffe und unsere Gesundheit? - Gannikus.de

Gefährliche Strahlen? - Beeinflusst die Mikrowelle die Nährstoffe und unsere Gesundheit?

Die Mikrowelle gehört zwar zu den neueren Errungenschaften auf dem Gebiet der Kochmethoden, doch ist sie aus den meisten Küchen kaum mehr wegzudenken. Trotzdem haben viele Menschen ein etwas mulmiges Gefühl, wenn sie ihr Essen in dem kastenförmigen Gerät aufwärmen oder damit kochen. Zahlreiche Mythen ranken sich um das 1946 erfundene Haushaltsgerät. Die Strahlen sollen die Nahrung "verseuchen", uns krank machen oder dafür sorgen, dass alle essenziellen Nährstoffe abgetötet werden. Schauen wir uns also heute an, wie die wissenschaftliche Realität aussieht.

Während nicht wenige Kritiker behaupten, es gäbe nicht genügend wissenschaftliche Daten, um die Sicherheit von Mikrowellen zu belegen, ist die Literatur zu diesem Thema sehr dicht. Wir können bereits vorwegnehmen, dass der reine Gebrauch des Küchengerätes per se keine gesundheitlichen Konsequenzen nach sich zieht, möchten im Folgenden aber unter anderem auf vier wichtige Aspekte eingehen:

  • Warum glauben Menschen, Mikrowellen seien gesundheitsschädlich?
  • Wie funktionieren die Geräte?
  • Tötet die Mikrowelle Nährstoffe ab?
  • Welche Rolle spielt das Kochgeschirr?

Warum glauben Menschen, Mikrowellen seien gesundheitsschädlich?

Laut dem Statistischen Bundesamt besaßen 73 Prozent der deutschen Haushalte Anfang 2019 eine Mikrowelle [1]. Aus unterschiedlichen Gründen scheinen demnach nicht alle Menschen von der Nützlichkeit oder der Unbedenklichkeit der elektronischen Herde überzeugt zu sein. Betrachten wir in diesem Zusammenhang zunächst die vier Gegenargumente, die unserer Auffassung nach am häufigsten verwendet werden.

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Mikrowellen setzten schädliche Strahlung frei?

Wenn wir an das Wort "Strahlung" denken, kommen uns wahrscheinlich als erstes Bilder von Atomreaktoren, Nuklearwaffen oder den Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima in den Sinn. Szenen, die vorrangig mit Krankheit, Tod, Mutationen und Vernichtung in Verbindung gebracht werden. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, dass sich Menschen Sorgen darüber machen, mithilfe von Strahlung ihre Nahrung zu erwärmen. Allerdings sind Strahlen nicht gleich Strahlen.

Der Begriff Strahlung beschreibt zunächst lediglich die Ausbreitung von Teilchen oder Wellen. Selbst Licht und Wärme, zwei Arten, ohne die wir Menschen nicht überleben könnten, fallen darunter. Um zu verstehen, weshalb Mikrowellenstrahlen an sich nicht schädlich sind, solange sie in dem geschlossenen Raum des Elektrogerätes bleiben, müssen wir betrachten, wie sie funktionieren.

Wie funktionieren Mikrowellen?

Die verschiedenen Arten der Wellenstrahlung werden durch ihre Wellenlänge charakterisiert. Lange Wellen sind in der Regel am sichersten, wohingegen sehr kurze Wellen mit hoher Frequenz gefährlich sein können.

Die Art der Strahlung hängt von dem Abstand der Wellen ab.

Weiterhin kann man die Strahlung in ionisierende und nicht-ionisierende Strahlen unterteilen. Als ionisierend gelten Strahlen ab einer Wellenlänge von 250 Nanometer oder weniger. Sie sind in der Lage, Elektronen aus Molekülen und Atomen zu entfernen und sie somit zu verändern. Mikrowellen gehören demzufolge zu den nicht-ionisierenden Strahlen, genau wie Radiowellen oder die Funkwellen deines Smartphones auch. Warum werden Dinge aber nicht warm, wenn sie neben einem Radio, Handy oder Funkmasten liegen?

Es gibt zwei Faktoren, die die Intensität und die Effekte von Strahlen einer bestimmten Wellenlänge beeinflussen. Zum einen ist das die Leistung, zum anderen der Abstand zur Strahlenquelle. Je weiter wir von der Quelle entfernt sind und je schwächer die Quelle ist, desto geringer ist die Intensität der Strahlen, die unseren Körper erreicht. Menschen in der unmittelbaren Umgebung eines Reaktorunfalls werden beispielsweise die direkten Auswirkungen der radioaktiven (ionisierenden) Strahlung spüren. Menschen auf der anderen Seite der Erde bleiben dagegen jedoch unbeeinflusst, wenn wir einmal die Wanderung der Teilchen mit dem Wind außer Acht lassen.

Die Strahlung deiner Mikrowelle ist dagegen sehr gering und zusätzlich durch ihr Gehäuse abgeschirmt, sodass sie von der Strahlenquelle nicht nach außen dringen kann. Tatsächlich hat das schützenden Gehäuse ebenfalls die Funktion, die Strahlen, die das Essen erwärmen, in dem Gerät zu halten, damit sie nicht nach außen dringen, wo sie keine Wirkung auf ihre eigentliche Zweckbestimmung entfalten, sondern fokussiert auf deine nächste Mahlzeit wirken. Ein weiterer Vorteil der Mikrowelle ist, dass ihre Strahlen nur bestimmte Moleküle beeinflussen. Glas oder Keramik beispielsweise erhitzen sich darin nicht. Der einzige Grund, warum der Teller heiß ist, wenn man ihn aus dem Gerät nimmt, ist, dass die darauf befundene Nahrung ihn durch Kontakt erwärmt hat.

Mikrowellen funktionieren, indem sie die Wasserteilchen in den Lebensmitteln zum Schwingen bringen, die daraufhin aneinander reiben und Hitze erzeugen. Dadurch werden sie jedoch nicht radioaktiv oder fangen selbst an, Strahlen auszusenden. Da Mikrowellen nicht ionisieren, können sie die Teilchen nicht verändern. Sie sind stark genug, um Wasser zu erhitzen oder Proteine zu denaturieren, auf die sie treffen, aber sie verändern nicht deine DNA oder lösen Krebs aus.

Zahlreiche Beobachtungsstudien haben versucht, den Zusammenhang zwischen Mikrowellen und Brustkrebs zu zeigen, doch die Ergebnisse gehen in alle Richtungen [2]. Selbst wenn es einen Zusammenhang geben würde, können Beobachtungsstudien nie eine Ursächlichkeit beweisen, wie wir auch in unserem Artikel über das Problem mit wissenschaftlichen Studien dargelegt haben:

#sciencebased? - Das ist das Problem mit wissenschaftlichen Studien!

Science hier, evidenzbasiert da. Die Fülle an Informationen, die uns so mancher Influencer aus der wissenschaftlichen Literatur übermitteln will, können für viel Verwirrung sorgen und sind teilweise sogar widersprüchlich. In vielen Fällen scheint es, als würde die Forschung all die Prinzipien anfechten, die sich in Jahrzehnten der natürlichen Evolution des Sports herauskristallisiert haben. Somit passiert […]

Mikrowellen töten Nährstoffe ab?

Oftmals wird behauptet, Mikrowellen seien ungesund, weil sie wichtige Nährstoffe in den Lebensmitteln abtöten und so zu Mangelerscheinungen führen. Die Wahrheit ist jedoch, dass Mikrowellen den Nährstoffgehalt der Nahrung nur leicht beeinflussen [3]. Jede andere Garmethode macht das aber auch. Einige Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe sind empfindlich gegenüber Hitze, weshalb ein gewisser Teil bei jedem Gar- oder Erhitzungsprozess zerstört wird. Tatsächlich gehört die Bestrahlung mit Mikrowellen sogar zu den schonendsten Methoden, Mahlzeiten verzehrfertig zu machen [4].

Besonders zwei Gründe sind hierfür entscheidend:

  1. Die Mikrowelle gart sehr schnell, weshalb die Hitze nur kurz auf die Nährstoffe einwirken kann.
  2. Es ist kein zusätzliches Wasser nötig, in welches die Nährstoffe übergehen und damit verloren gehen könnten.

Der Einfluss der Mikrowelle gegenüber anderen Garmethoden ist von Nährstoff zu Nährstoff unterschiedlich, doch gehört sie zweifelsfrei zu den schonendsten Alternativen. Wenn man Nährstoffverluste völlig vermeiden möchte, müsste man die Nahrung roh zu sich nehmen, doch das wiederum senkt in vielen Fällen die Verdaubarkeit und damit auch die Absorption der Nährstoffe. Am Ende stellt die Mikrowelle damit also eine gute Wahl zum Kochen dar, wenn wir allein die Nährstoffe betrachten. Dass ein gebratenes Steak besser schmeckt als ein in der Mikrowelle gekochtes, sollte natürlich jedem selbst klar sein.

Eine Analyse verglich verschiedene Garmethoden hinsichtlich des Nährstoffverlustes [4].

Welche Rolle spielt das Kochgeschirr?

Bei der Wahl des richtigen Kochgeschirrs wird oftmals behauptet, jegliche Arten von Plastikbehältern würden giftige Stoffe an das Essen abgeben. Tatsächlich bestehen Kunststoffe aus einer Vielzahl von Stoffen, die unter Einwirkung von Hitze in die Nahrung übergehen können [5, 6]. Die Frage ist jedoch, ob die Menge ausreicht, um eine gesundheitliche Beeinträchtigung hervorzurufen. Besonders zwei Verbindungen stehen dabei im verdacht: Bisphenol-A (BPA) und Phthalate.

In hohen Mengen sind beide Stoffe durch ihre chemische Struktur dazu in der Lage, im Körper die Effekte des Hormons Östrogen nachzuahmen, weshalb sie für Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Krebs und andere Probleme verantwortlich gemacht werden [7, 8, 9, 10, 11, 12]. Ihre schadhaften Wirkungen stehen bisher noch zur Diskussion, doch sollte man versuchen, ihre Aufnahme zu minimieren [13]. Die Frage ist allerdings, ob Mikrowellen die Aufnahme dieser Stoffe fördern.

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Ein Review des amerikanischen Verbraucherschutzministeriums fand heraus, dass die Freisetzung der beiden Stoffe aus Plastikbehältern nicht ansatzweise ausreichend ist, um eine Gefahr für die Gesundheit darzustellen [14]. Zwar setzen Kunststoffe mit wiederholter Hitzeeinwirkung mehr Stoffe frei, doch befinden sich die Mengen weiterhin unter den aktuell geltenden Richtlinien der FDA [15]. Mit der Einführung von BPA-freien Kunststoffen sind die Aufnahmemengen weiterhin rückläufig [16]. Nichtsdestotrotz kann man nie wissen. Es wäre denkbar, dass künftige Untersuchungen neue Stoffe zutage fördern, die einen gesundheitsschädlichen Einfluss zeigen oder dass schon geringere Mengen der genannten Vertreter zu Problemen führen. Solange man die Möglichkeit hat, auf lebensmittelechte Stoffe wie Glas oder Keramik zurückzugreifen, sollte man sie als erste Wahl betrachten. 

Fazit und Zusammenfassung

Mikrowellen verwenden Strahlung, die Wasserteilchen zum Schwingen bringt und somit Reibungshitze erzeugt. Der Begriff "Strahlung" wird jedoch von vielen Menschen fehlinterpretiert, da sie glauben, jegliche Strahlung sei gesundheitsschädlich. Tatsächlich sind wir jeden Tag einer Vielzahl von Strahlen ausgesetzt, wovon Mikrowellen zu den weniger schädlichen gehören. Ihre Frequenz ist allerdings zu gering, um Teilchen zu verändern, wodurch sie selbst Strahlung aussenden. Die Mikrowelle zu benutzen, ist dementsprechend nicht schädlicher, als Radio zu hören oder das Handy zu verwenden.

Die Gesetze der Physik und jahrelange Forschung zeigen, dass die Mikrowelle eine einfache, schnelle und schonende Weise ist, Nahrung zu erhitzen oder zu garen. Es werden mehr Nährstoffe erhalten als bei anderen Kochmethoden, solange die Zeit richtig gewählt wird. Plastikbehälter in der Mikrowelle können potenziell schädliche Stoffe in die Nahrung abgeben. Ihre Menge ist jedoch sehr gering. Solange Glas oder Keramik als Alternative zur Verfügung steht, sollte darauf zurückgegriffen werden.  

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Aufgrund zahlreicher Mythen rund in die Mikrowelle haben viele Menschen ein mulmiges Gefühl, wenn sie damit ihre Nahrung zubereiten oder lehnen sie gar völlig ab. Die Strahlen sollen die Nahrung "verseuchen", uns krank machen oder dafür sorgen, dass alle essenziellen Nährstoffe abgetötet werden. Mikrowellen verwenden Strahlung, die Wasserteilchen zum Schwingen bringt und somit Reibungshitze erzeugt. Der Begriff "Strahlung" wird jedoch von vielen Menschen fehlinterpretiert, da sie glauben, jegliche Strahlung sei gesundheitsschädlich. Die Strahlen einer Mikrowelle sind allerdings genauso ungefährlich, wie die eines Radios oder Lichtstrahlen. Tatsächlich gehört die Mikrowelle zu den schonendsten Garmethoden, wodurch sogar mehr Nährstoffe erhalten werden. Die einzige potenzielle Gefahr geht von Plastikbehältern aus, die Stoffe an die Nahrung abgeben können. Die Mengen sind bei modernen Kunststoffen allerdings sehr gering. Die genauen Hintergründe haben wir auf www.gannikus.de für euch zusammengefasst. 👨‍💻💡

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Primärquelle:
Armistead Legge: Is Microwaving Food Bad for You? What 23 Studies Have to Say,  Legion Athletic

Literaturquellen:

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis), "Ausstattung mit Gebrauchsgütern: Laufende Wirtschaftsrechnungen (LWR 2019)", 2019: www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Ausstattung-Gebrauchsgueter/Aktuell_LWR_2019.html, zuletzt gesehen am 12.11.2019
  2. Chen, Qingsong, et al. "A meta-analysis on the relationship between exposure to ELF-EMFs and the risk of female breast cancer." PloS one 8.7 (2013): e69272.
  3. Miglio, Cristiana, et al. "Effects of different cooking methods on nutritional and physicochemical characteristics of selected vegetables." Journal of agricultural and food chemistry 56.1 (2007): 139-147.
  4. Jiménez‐Monreal, A. M., et al. "Influence of cooking methods on antioxidant activity of vegetables." Journal of Food Science 74.3 (2009): H97-H103.
  5. Soto‐Valdez, H., J. W. Gramshaw, and H. J. Vandenburg. "Determination of potential migrants present in Nylon ‘microwave and roasting bags’ and migration into olive oil." Food Additives & Contaminants 14.3 (1997): 309-318.
  6. Nerin, C., D. Acosta, and C. Rubio. "Potential migration release of volatile compounds from plastic containers destined for food use in microwave ovens." Food Additives & Contaminants 19.6 (2002): 594-601.
  7. Kim, Hyung Sik, et al. "Potential estrogenic effects of bisphenol-A estimated by in vitro and in vivo combination assays." The Journal of toxicological sciences 26.3 (2001): 111-118.
  8. Chen, Xueping, et al. "Toxicity and estrogenic endocrine disrupting activity of phthalates and their mixtures." International journal of environmental research and public health 11.3 (2014): 3156-3168.
  9. Li, De-Kun, et al. "Urine bisphenol-A level in relation to obesity and overweight in school-age children." PloS one 8.6 (2013): e65399.
  10. Kay, Vanessa R., Christina Chambers, and Warren G. Foster. "Reproductive and developmental effects of phthalate diesters in females." Critical reviews in toxicology 43.3 (2013): 200-219.
  11. Gao, Hui, et al. "Bisphenol A and hormone-associated cancers: current progress and perspectives." Medicine 94.1 (2015).
  12. Inadera, Hidekuni. "Neurological effects of bisphenol A and its analogues." International journal of medical sciences 12.12 (2015): 926.
  13. Hengstler, J. G., et al. "Critical evaluation of key evidence on the human health hazards of exposure to bisphenol A." Critical reviews in toxicology 41.4 (2011): 263-291.
  14. Hoekstra, Eddo J., and Catherine Simoneau. "Release of bisphenol A from polycarbonate—a review." Critical reviews in food science and nutrition 53.4 (2013): 386-402.
  15. FDA, US. "‘Guidance for Industry–Preparation of Food Contact Notifications and Food Additive Petitions for Food Contact Substances: Chemistry Recommendations." Center for Food Safety and applied Nutrition. Office of Food Additive Safety (available at: http://www. cfsan. fda. gov/$ dms/opa2pmnc. html) (2002).
  16. Wells, Ellen M., Leila W. Jackson, and Michaela B. Koontz. "Decline in urinary bisphenol a concentrations in the United States." Epidemiology 24.1 (2013): 167-168.
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